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NEWS Update April 2022

Lesezeit: 4 Minuten

Iran – Berge und Wüste

Nun sind wir endlich da, im Iran. Eigentlich wollten wir schon 2021 dort hin, aber meistens kommt bekanntlich alles anders, als man denkt. Letztes Jahr waren wir noch mittendrin in der Türkei und die Grenzen wegen COVID-19 drum herum geschlossen. Direkt in den Iran konnten wir deswegen leider nicht einreisen. Als Georgien seine Grenzen wieder öffnete, machten wir also von der Türkei aus einen kleinen Schlenker Richtung Norden, um dann über das grüne Georgien und über Armenien in den Iran einzureisen. Fast ein ganzes Jahr später sind wir nun im 19. Land unserer Fahrradweltreise und wieder sind wir in einem Land, das wir mit keinem anderen vergleichen können.

In Armenien hatten wir noch zugeschneite Passstraßen und Schneeregen. Im Iran erwarteten uns schon ab der Grenze staubige, trockene Bergstraßen und später dann die Wüste. Auch unsere Kleidung hat sich geändert. Zumindest maßgeblich die von Melli. Im Iran ist es Pflicht, dass Frauen ein Kopftuch und ein weites Oberteil tragen, welches den Hintern bedeckt. Männer sollten lange Hosen tragen. Eine kleine Herausforderung bei den steigenden Temperaturen.

Anstatt auf der Hauptroute von der armenischen Grenze Richtung Täbris zu radeln, entschieden wir uns gleich zu Beginn unserer Iranreise für eine weniger stark befahrene Straße über die Berge. Etwa zwei Tage lang brauchten wir, um in das nächste Dorf zu kommen. Aber die Landschaft um uns herum war dafür wieder sagenhaft, auch wenn es nun anfing zu regnen. Wir hatten nun die Wahl, unserer Straße weiter zu folgen oder eine kleine Abkürzung zu nehmen. Die Alternative versprach deutlich weniger Höhenmeter und sogar 15 weniger Kilometer. Super! Dachten wir!
Die ersten 7 Kilometer waren wirklich schön, es ging bergab und der Fahrbelag war gar nicht mal so übel. Was wir aber total außer Acht gelassen haben war, dass es in dieser Gegend die letzte Woche durchgeregnet hatte. Man sollte so tolle Abkürzungen bei unbefestigtem Boden und Regen besser nicht radeln. Kurz darauf ging es durch eine schlammige Kuhle und der Dreck an den Reifen führte dazu, dass diese total blockierten und nicht mal mehr einen Millimeter rollten. Wir fingen an, beide Räder zusammen zu schieben, aber das machte wenig Sinn. Einer blieb bei den Rädern, der andere lief voraus, um zu sehen, ob sich der Weg besserte. Eigentlich lagen nur noch etwa 3 Kilometer vor uns, bis wir wieder auf die ursprüngliche Straße trafen.

Wir überlegten hin und her, ob es schlau wäre, das Gepäck abzuschnallen und Stück für Stück alles Meter um Meter nach vorne zu transportieren. Dann sahen wir aber doch ein, dass dieses Abenteuer dann doch ein wenig aussichtlos erschien, wenn wir nicht bis spät in die Nacht schieben und völlig entnervt an der Kreuzung ankommen wollten. Nass und schlammbespritzt von oben bis unten waren wir ohnehin schon. Also drehten wir um, schoben die gefühlt um Zentner schwerer gewordenen Räder, bis der Boden wieder besser wurde und es ging den tollen Weg wieder zurück. Der Dreck setzte sich jedoch so dermaßen hartnäckig an der Felge und den Bremsen fest, dass bei Melli sich die Bremse verklemmte und sie nicht mehr weiter konnte. Nun war nicht mal mehr schieben möglich. Zumindest konnten wir nun unsere ausgetauschte Ausrüstung, wie die neuen Ortlieb Taschen und die Regenkleidung, ausgiebig auf ihre Wasserdichtigkeit testen und können sagen – Härtetest bestanden!

Zufällig kam dann eins der kleinen blauen Packautos vorbei, die wir nun schon so oft gesehen hatten. Der Mann bot uns an, eins der Räder hinten drauf zu schnallen und bis zum nächsten Dorf mitzunehmen. So führte eins zum anderen und wir wurden von jungen Iranern in die Werkstatt von einem ihrer Väter geführt. Schnell sammelte sich eine kleine Menschentraube an, die neugierig Dani beim Schrauben zusah. An der hinteren Ecke der Schrauber-Garage wurde derweil ein Gasschlauch angezündet, aus dem wohlig warmes Feuer strömte. Einer der Männer konnte gut Englisch und lud uns ins Nachbarhaus ein, dort die Nacht bei ihm zu verbringen. Dort schliefen er, sein Freund und der Schwiegervater, nachdem sie vom Goldgraben zurückkamen. Denn in der Nähe gab es Goldmienen. Wir lernten einige Wörter in Farsi und erhielten einen ersten Einblick in die Kultur. Am nächsten Tag erreichten wir dann Täbris, wo wir geradewegs in eine riesige Fahrrad Gruppe hineinradelten. Auch dort wurden wir eingeladen und übernachteten so beim Gruppenleiter, der uns die Stadt zeigte. Abends nahm er uns zum Fastenbrechen mit auf einen Berg, wo wir mit vielen Familien gemeinsam aßen und einen tollen Blick über Täbris hatten.

Unsere Reise durch den Iran ging weiter. Wir hatten uns mit unseren Schweizer Radfreunden Lisa & Dario von Erfahrung der Welt verabredet, die gerade auch im Land unterwegs sind. Mit den beiden haben wir bereits in der Türkei und Georgien einige Zeit verbracht und auch sie sind ebenso mit dem Rad Richtung Osten unterwegs. Die beiden fahren im Iran die entgegengesetzte Route wie wir und so gaben sie uns noch ein paar gute Tipps mit auf den Weg. Dann ging es für uns auch schon ab in die iranische Wüste. Mehr als 350 Kilometer waren wir auf uns gestellt, davon 90km ohne Wasser, ohne Dörfer in der Nähe und kaum einer Menschenseele. Die wenigen Autos, die vorbeikamen, hielten von sich aus an und die darin sitzenden Iraner schenkten uns eisgekühltes Wasser und Süßigkeiten. Wasser hatten wir plötzlich also genug. Melli´s lange Kleidung und der Schal um den Kopf erwiesen sich dann doch als sehr nützlich. Das war ein guter Schutz gegen die Sonne. Die Temperaturen gingen auf die 36°C zu, wobei wir ziemlich froh sein konnten, denn für eine Woche später waren mehr als 40°C angezeigt.

Am dritten Tag in der Wüste sahen wir am Horizont ein Gebäude aufflimmern. Nein, keine Fata Morgana. Wir erreichten eine alte, verlassene Karawanserei. An einigen Stellen war sie baufällig, aber trotzdem nicht minder beeindruckend. Das Beste überhaupt – keiner war da. Wir hatten die Karawanserei für uns allein und gingen in Ruhe auf Erkundungstour. Einen besseren Platz für die Nacht hätten wir weit und breit nicht finden können. Also bauten wir in einem der halboffenen Räume unser Innenzelt auf und stellten uns vor, wie es hier lange vor unserer Zeit wohl ausgesehen haben mochte. Die Karawanserei diente als Anlaufstelle für Reisende, Warendepot und Wasserquelle mitten in der Wüste. Einfach fantastisch. Nach gut einer Woche haben wir dann die Wüste durchquert und können sagen: wieder einmal ein unvergesslicher und großartiger Moment auf unserer Weltreise!

Genauso wie die zahlreichen Begegnungen, die wir bereits in diesem Monat im Iran hatten. Sei es in der Hauptstadt Irans, in Teheran, in Isfahan, in Yazd, in den vielen kleinen Dörfern dazwischen oder einfach nur auf der Straße. Wieder haben wir wunderbare Menschen kennengelernt, die uns an ihrem Alltag teilhaben ließen, uns ihre Kultur näher brachten und von denen wir so viel Neues lernten. Gerade diese Begegnungen mit den Einheimischen machen unsere Reise so unvergesslich, so wundervoll und einmalig.

Gestern haben wir unsere Visa verlängern können, juhu! Der Iran ist einfach viel zu groß und es gibt noch so viel zu entdecken! Wir sind gespannt, was uns weiter hier erwartet!

Liebe Grüße von unterwegs
Melli & Dani

Wir sind zur Zeit auf einer 5 jährigen Weltreise mit dem Fahrrad! Komm mit auf Social Media und wir entdecken zusammen die Welt.

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