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Mit dem Rad ans Meer – unsere Fahrradreise durch die Niederlande

Lesezeit: 7 Minuten

In diesem Blogbeitrag erzählen wir über die Erlebnisse während unserer Fahrradweltreise. Diese führt uns diesmal von Deutschland aus weiter in das angrenzende Nachbarland.

Die Niederlande ist berühmt berüchtigt für ihren Ruf, das Fahrradland Nummer 1 zu sein. Wir sind teilweise tagelang durch den Regen geradelt und hatten mit Gegenwind zu kämpfen, doch die Anstrengungen haben sich mehr als gelohnt. 🙂

Unsere feucht fröhliche Fahrt durch die Niederlande kannst du dir auch ansehen. Am Ende unseres Beitrags gelangst du zu unseren Videos, sobald sie veröffentlicht wurden.

Wir ließen Deutschland hinter uns und freuten uns schon auf unseren ersten Grenzübertritt mit dem Fahrrad. Die Niederlande ist so ziemlich das fahrradfreundlichste Land, in welches wir jemals einen Fuß – oder besser gesagt ein Rad gesetzt haben. Kein Wunder, erzählt man sich ja, dass es in den Niederlanden mehr Fahrräder als Bewohner geben soll. Ein Reich für de fiets also – ein Reich für das Fahrrad. 🙂

Kaum waren wir dort, änderte sich die Infrastruktur immens. Das Radverkehrsnetz ist super ausgebaut und überallhin gibt es Pfade speziell für Fahrradfahrer (der sog. fietspad, Pl. fietspaden). Diese Pfade verlaufen meist parallel zu den Straßen. Den Radfahrer erwarten in den Niederlanden tadellos asphaltierte sowie gut gekennzeichnete und ausgeschilderte Fahrradwege. Teilweise gibt es ganze Fahrradstraßen auf denen Autos nicht fahren dürfen oder nur geduldet werden. Diese Straßen können so breit ausfallen, dass man zwischendurch das Gefühl hat, man würde tatsächlich auf einer Autostraße fahren. Glücklicherweise jedoch ohne vorbeirasende Autos und ohne den Gestank der Abgase ertragen zu müssen. Es gibt sogar manchmal separate Brücken nur für Fahrradfahrer.

In den Niederlanden kann man seine Fahrradtour z.B. sehr gut anhand der Knotenpunkte (dem sog. knooppunt) planen. Die Routen sind alle nummeriert und treffen an den jeweiligen Knotenpunkten, also der Kreuzung zweier Strecken, aufeinander. Ein sehr einfaches und gutes System, wie wir finden. Für Radfernwege gibt es die sog. LF-Routen (landesweite Fahrradrouten). Mehr zur allgemeinen Routenplanung und was wir dafür für Geräte bzw. Hilfsmittel nutzen, erfährst du in einem anderen Artikel. 😉

Allgemein empfanden wir es als sehr angenehm und sicher auf den niederländischen Straßen. Die Autofahrer nehmen hier gefühlt mehr Rücksicht auf die Fahrradfahrer. Sobald wir die Straße überqueren mussten oder die Spur wechselten, ließen diese uns die Vorfahrt. Schade, dass in Deutschland der Fokus immer noch etwas mehr auf dem Auto liegt. Wir Deutschen können uns ruhig mal eine Scheibe von unseren Nachbarn abschneiden. 😉

Flitzen mit de fiets

Wir steuerten unserem ersten Ziel in den Niederlanden entgegen: Arnheim. Dort hatten wir bereits die Tage zuvor eine Einladung zum Übernachten via Couchsurfing erhalten. Nach den 70km von Wesel in Deutschland nach Arnheim freuten wir uns bei dem nass kalten Wetter schon sehr auf ein Dach über dem Kopf. Der Abend war sehr lustig. Unser Host tischte lecker Steak auf und wir unterhielten uns über das Radfahren in den Niederlanden und über unsere Weltreise.

Leider besserte sich das Wetter auch am nächsten Morgen nicht und wie wir bald feststellen sollten, auch die ganze Woche über nicht mehr. Aber egal, wir sind ja nicht aus Zucker… Wir radeln auch bei Regen. 🙂 Schließlich fahren wir unsere Regenkleidung ja nicht umsonst spazieren.

Als nächstes erreichten wir Nijkerk, wo wir über Warmshowers eine ganz nette Familie kennengelernt hatten. Wir wurden herzlich empfangen und unterhielten uns abends noch ein wenig mit einem selbstgebackenen Apfelkuchen vor dem Kamin. Es war toll am Alltag einer holländischen Familie mit teilhaben zu dürfen und sich über das Leben und die Bräuche in den Niederlanden zu unterhalten. Unsere Gastgeber nutzten gleich die Gelegenheit, um ihr eingerostetes Deutsch wieder etwas zu verbessern.

Von Nijkerk aus ging es weiter in die niederländische Hauptstadt nach Amsterdam. Kaum rollten wir in die Stadt, herrschte eine viel geschäftigere Atmosphäre als zuvor. Die Fahrradfahrer behielten hier eindeutig die Oberhand über die allgemeine Verkehrslage. Das Tempo in Amsterdam war um einiges schneller, als wir es bisher wo anders wahrgenommen hatten. Die Radfahrer flitzten nur so an uns vorbei, dabei wurden rote Ampeln gerne mal ignoriert. Mit unseren vollbepackten Rädern sahen wir aus wie Kapitäne, die ihre kleinen Schiffchen durch das geschäftige, bunte Treiben manövrierten. Wir beschlossen uns erstmal unseres Gepäcks zu entledigen, um dann die Innenstadt besser erkunden zu können.

Mit dem Rad ans Meer

Es ging weiter. Uns zog es anschließend nach Zandvoort an die Nordsee. Das Meer war grau, das Wasser wurde leicht aufgepeitscht und eine deutliche Brise machte sich bemerkbar. Uns störte es jedoch nicht. Das Gefühl, als wir mit unseren beiden Fahrrädern an der Küste ankamen, war einfach unbeschreiblich. Wahnsinn! Mit dem Rad ans Meer, von Bayern zur Nordseeküste – einfach herrlich verrückt! Im Sommer musste hier wohl der Punk abgehen, da die niederländische Küstenregion als Bade- und Urlaubsziel schlechthin galt. Doch nun war es ruhig und nur wenige Leute waren am Strand anzutreffen. Es war schön, ohne Trubel und Hektik um uns herum den Moment ganz allein genießen zu können.

Voller Euphorie bogen wir wenig später auf einen kleinen Pfad ab. Dort verschlug es uns abermals die Sprache. Wir befanden uns nach einigen Metern mitten in den Dünen und der Anblick war einfach sagenhaft. Weit und breit nichts zu sehen, außer den mit Gras bewachsenen Hügeln und dem Sand. Ab und an begegneten wir anderen Radreisenden und Wanderern, die ebenfalls den verzauberten Dünenpfad eingeschlagen hatten.

Wo schlafen wir denn heute?

So fuhren wir stundenlang weiter, bis wir nach Nordwijk gelangten. Dort lief uns eine Frau über den Weg, die uns bat kurz anzuhalten. Wie sich herausstellte, knipste sie für eine Wetterseite im Internet Fotos und fand, dass wir ein ziemlich passables Bild abgeben würden.

Der Tag neigte sich dem Ende zu und es ging wieder mal um die Frage, wo wir heute Nacht wohl schlafen würden. Bisher hatten wir während unserer Fahrradreise öfter die Möglichkeit gehabt, Einheimische über die Netzwerke Couchsurfing und Warmshowers kennenzulernen, die uns gerne für kürzere Zeit beherbergten. Wir reisen gerne auf diese Art, da man einen viel engeren Bezug zu den Menschen vor Ort und deren Kultur gewinnt. An allen anderen Nächten, in denen sich solche Gelegenheiten nicht ergaben, schliefen wir bisher ausschließlich in unserem Zelt oder den Hängematten. In den Dünen ist es jedoch strikt verboten, sein Zelt aufzuschlagen. Wir fuhren an einer Reihe von Campingplätzen vorbei, als langsam eine Idee heranreifte. Momentan war eher tote Hose und zudem Nebensaison, unser Plan könnte also aufgehen.

Gleich am nächsten Campingplatz hielten wir an, denn wir beschlossen, dass wir ja eigentlich nichts zu verlieren hatten. Also fragten wir die freundliche Dame an der Rezeption, ob es möglich sei, eine Nacht zwei Weltenbummler auf dem Weg nach Japan mit ihren Fahrrädern umsonst campieren zu lassen. Eigentlich mache man hier sowas ja nicht, meinte sie daraufhin. Ohne große Umschweife oder weitere Abstimmungsmaßnahmen hielt uns die nette Dame dann im nächsten Moment die Mappe des Campingplatzes hin. Was wir doch für Glückspilze waren! Wir durften die Toiletten, Duschen und alle weiteren Annehmlichkeiten kostenlos nutzen und uns sogar noch einen Stellplatz selbst aussuchen. 🙂

Vom Winde verweht

Unser Weg führte uns weiter über Den Haag zu den südlichen Inseln. Dabei waren wir nun auch auf Fähren angewiesen. Von Maassluis wollten wir uns nach Rozenburg schippern lassen. Der Fahrkartenautomat zeigte uns an, dass alle Beträge mit der Karte zu zahlen seien. Ganz schön ungewohnt und umständlich fanden wir. Wir waren uns auch nicht sicher, ob die angezeigte Auswahl nun eine Person mit Fahrrad beinhaltete oder das Rad extra zu zahlen ist. Die Fähre war schon kurz davor abzulegen und um nicht noch weitere Zeit vor dem Automaten zu verschwenden, kauften wir direkt an Bord die Tickets. Wir zahlten 2,80€ pro Person mit Fahrrad. Bei dem Preis konnte man wirklich nicht meckern.

Logischerweise weht am Meer ein raueres Lüftchen, als im Inland. Diese Tatsache wurde uns wieder allmählich bewusst, während wir immer weiter Richtung Süden radelten. Sobald wir uns wieder einem Damm bzw. der Küste näherten, wurden wir nun regelrecht vom Winde verweht. Hatten wir uns in unserem letzten Update im Oktober noch gefreut, dass wir bislang vom Gegenwind verschont worden waren, hatten wir es jetzt knallhart abbekommen. Leider hatten die saloppen Kommentare aller Freunde sich bewahrheitet. Auf der einen Seite war es in den Niederlanden wunderschön und flach zum Radfahren, auf der anderen Seite aber dieser Wind… der raubte einem jegliche Motivation, irgendwann jemals schnell irgendwohin zu kommen.

Teilweise blies der Wind uns mit stolzen 60km/h entgegen. Wir stiegen umso mehr in die Pedale, um nicht in einem Moment der Schwäche rückwärts zu rollen. Das war wohl der Preis dafür, dass wir durch so eine wundervolle Landschaft fahren durften. Doch wir waren uns einig, dafür lohnte es sich sehr!

Musik, Kunst & Kultur

Wir waren so froh, als wir mit unseren steifen Gliedern endlich Vlissingen erreichten. Dort blieben wir auch gleich mal zwei Nächte bei einem radreisebegeisterten Paar. Am ersten Abend wurden wir in die lokale Kneipe eingeladen, wo eine polnische Band mit dem Namen The Freeborn Brothers den Schuppen zum Beben brachte. Die Musik war ein Mix aus Ska, Gypsy und Folklore und die Jungs zählten ab sofort zu einer unserer Lieblingsbands. Fantastisch! Ob jung oder alt, keiner konnte mehr die Beine still halten und auch wir tanzten wie wild. Es herrschte so ausgelassene Stimmung, dass wir sogar ganz vergessen hatten, dass wir noch vor ein paar Stunden kaum Treppen steigen konnten vor Anstrengung.

Am nächsten Tag machten wir mit dem Tandem unserer Gastgeber einen Ausflug. Es war das erste Mal, dass wir so etwas fuhren – Dani vorne Melli hinten. Das Fahrgefühl war ein ganz anderes, als wir es für gewöhnlich kannten. Schon irgendwie lustig. Wir traten beide in die Pedale, um gemeinsam ein langes Rad mit zwei hintereinander montierten Satteln von A nach B zu fahren. Und wir waren gefühlt doppelt so schnell. Zumal wir ja auch ganz ungewohnt ohne unsere voll beladenen Packtaschen unterwegs waren. Es gibt ja durchaus einige, die sich mit einem Tandem auf so eine Fahrradweltreise begeben. Wir dachten kurz darüber nach, wie es wohl wäre aufs Tandem umzusteigen…

Aber nein, irgendwie nicht. So zu reisen war zwar ganz amüsant, aber wir waren uns da recht schnell einig, dass jeder sein eigener Herr bzw. Frau über das Fortbewegungsmittel bleiben wollte.

Am nächsten Tag besuchten wir ein befreundetes Künstlerpaar unserer Hosts in ihrem Atelier. Dort bewunderten wir die Ausstellungsstücke von Eric Brandts und seiner Frau, wobei hauptsächlich fluoreszierende Materialien sowie Metalle verwendet wurden. Jedes Kunstwerk war einzigartig und erzählte eine ganz eigene Geschichte. Wir unterhielten uns noch ein wenig, bevor wir weiter nach Middelburg fuhren.

Im Zeeuws Museum erfuhren wir viel über die Region Zeeland und wie es im 16. Jahrhundert dort zugegangen ist. Hier gab es eindrucksvolle Wandteppiche und Trachtenanzüge aus längst vergangenen Zeiten, aber auch eher zeitgenössische Werke zu entdecken.

Mit unseren Schiffchen auf´s Schiffchen

Tags darauf ging es mit unseren kleinen Schiffchen (also unseren Rädern) auf ein richtiges Schiff nach Breskens. Genauer gesagt fuhren wir mit einer Fahrradfähre, nämlich der Westershelde Ferry. Das Ticket lösten wir für 4,25€ pro Person inkl. Fahrrad. Wir gelangten über einen langen Arm, ähnlich wie einem Flugzeugzubringer am Flughafen, zur Fähre. Im Bauch der Fähre konnte man dann sein Fahrrad in mehreren Reihen festbinden. Wir entdeckten auch gleich Ladestationen für E-Bikes. Sehr fortschrittlich, die Niederländer.

Natürlich konnten auch normale Passagiere ohne Fahrräder die Überfahrt genießen. Einzig Autos und Motorräder sind nicht auf der Fähre zugelassen. Wir erreichten die andere Seite und machten auch gleich wieder Bekanntschaft mit einem alten Bekannten, dem Gegenwind.

Unsere Zeit in den Niederlanden neigte sich dem Ende zu. Sie verging ganz schön schnell. Dabei erinnerten wir uns an den Kommentar des Vaters der Familie in Nijkerk, bei der wir übernachteten: „Eine Radtour durch Holland? Es ist so klein, dass du dir denkst – ups schon vorbei.“. Wir mussten lachen. Es dauerte nicht mehr lange und wir würden nach Deutschland und den Niederlanden in Land #3 eintreffen: Belgien.

Welche Erfahrungen hast du gemacht?

Warst du auch schon mal in den Niederlanden und hast dort einen Fahrradausflug gemacht? Was hat dir dort besonders gut gefallen? Oder hattest du vielleicht eine unvergessliche Fahrt mit einem Mietfahrrad durch Amsterdam?

Schreib uns, wir freuen uns über deinen Kommentar! 🙂

Videos Fahrradweltreise Niederlande

when route becomes destination

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