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Die 5 wichtigsten Tipps für deine Fahrradreise

Lesezeit: 13 Minuten

Planst du eine längere Fahrradreise? Es gibt da einige Dinge, über die du dir im Vorfeld Gedanken machen solltest. Wir haben dir unsere 5 wichtigsten Aspekte zusammengefasst. Unsere Erfahrungen dazu haben wir daher in die Punkte Ergonomie, Energiegewinnung, Sicherheit, Planung und Ausrüstung unterteilt. Wir erläutern, warum wir gerade diese Dinge wichtig finden und geben dir Tipps, wie du aus unseren Erfahrungen & Fehlern lernen kannst. Außerdem erfährst du, welche Hilfsmittel bzw. Gegenstände wir dafür nutzen und wichtig finden.

An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass – auch wenn wir einige Ausrüstungsgegenstände unserer Partner erwähnen – dieser Beitrag aber tatsächlich auf unserer eigenen Meinung beruht und unbezahlt ist! 🙂

zuletzt aktualisiert am 03.09.2020

Wenn du planst, länger als eine Stunde am Stück zu radeln, darfst du diesen Punkt nicht unterschätzen. Wusstest du eigentlich, dass du dein Fahrrad ergonomisch auf dich und deine Bedürfnisse genau anpassen kannst? Das bedeutet im Klartext, dass du bereits mit kleinen Veränderungen der Einstellungen des Rades deine Bewegungsabläufe und Gelenkstellung deutlich verbessern kannst. Dadurch verhinderst du auch einseitige oder dauerhafte Belastungen, die zu Schmerzen führen oder dir sogar die Freude am Fahrradfahren nehmen.

Der Sattel

Hauptsächlich lastet ein Großteil deines Gewichts beim Radfahren auf dem Popo. Wir radeln täglich im Schnitt etwa 6 bis 7 Stunden (manchmal auch weniger), deshalb finden wir einen passenden Sattel besonders wichtig. Ein Tourensattel sieht natürlich in der Breite und Form anders aus, als ein Rennradsattel. Wir fahren beide mit den Fisio GTC Gel Max Sätteln von Terry*, jeweils natürlich als Frauen- und Männermodell.

Für die optimale Passform wurden vorher unsere Sitzknochenabstände ermittelt. Wir müssen ehrlich gestehen, dass wir (und das hat nun wirklich nichts damit zu tun, dass Terry unser Partner ist!) sehr von den Sätteln überzeugt sind. Wir mussten uns damit nicht erst “einfahren”, es hat gleich wunderbar gepasst. Die Gelpolster sind sehr bequem und gerade bei mehreren Stunden Fahrt super. Die Größe der Sattelauflagefläche ist auch gut und fällt beim Damensattel etwas breiter, als beim Männermodell aus. Alles in allem sind wir also sehr zufrieden und können den Fisio GTC Gel Max* ruhigen Gewissens weiterempfehlen!

Grundsätzlich sollte der Sattel im vorderen Bereich waagerecht eingestellt sein. Die Sattelhöhe sollte so eingestellt sein, dass man mit dem gestreckten Bein mit dem Vorfuß auf dem Pedal steht. Beim Treten wird die Ferse angehoben und dann ist das Bein im tiefsten Punkt ganz leicht angewinkelt. Es gibt jedoch Situationen, in denen wir unsere Sättel ein wenig umstellen müssen. Wenn man Schmerzen im unteren Rücken und Genitalbereich verspürt, sollte man die Sattelnase ein wenig nach unten neigen. Wenn wir bergauf fahren, rutschen wir meist automatisch zur Sattelspitze. In diesem Fall verstellen wir den Sattel leicht nach vorne. Bergab ist es genau anders herum.

Passend zum Thema gibt es von uns ein Schraubervideo, in dem wir nach den ersten 6.000km einen Generalcheck und Reparaturen an unseren Reiserädern vorgenommen haben. Da Dani seinen Rahmen wechseln musste, haben wir bei ihm auch die kompletten ergonomischen Einstellungen neu gemacht und u.a. auch den Sattel richtig eingestellt. Dabei haben wir die praktische Bike Fitting Box Comfort* speziell für Touringräder von Ergon benutzt. Damit kann man übrigens auch den Lenker und Schuhe mit Klickpedale optimal an die individuellen Bedürfnisse anpassen. Darin enthalten sind ein Handbuch mit einer genauen Schritt-für-Schritt Anleitung, diverse Schablonen, Wasserwaage, Maßband und ein Senklot.

Die Lenkergriffe

Nicht nur der Sattel, sondern auch das Zusammenspiel mit dem Lenker und den Lenkergriffen ist wichtig. Denn die Hände stützen den Oberkörper ab und wenn der Druck nicht genug auf den Lenker verteilt werden kann, passiert es schon einmal, dass die Hände einschlafen oder kribbeln. Aus diesem Grund haben wir Griffe gewählt, die eine breitere Auflagefläche bieten. Außerdem finden wir persönlich etwas längere Hörner besser, weil wir während dem Fahrradfahren öfter die Handposition wechseln.

Deshalb haben wir beide die Lenkergriffe GP5-S Rohloff/Nexus* von Ergon montiert. Die optimale Lenkerentfernung sollte so weit sein, dass der Schulter-Arm-Winkel bei 90° liegt. Dabei sollten die Arme nicht durchgestreckt sein, sondern leicht angewinkelt, um so Stürze besser aufzufangen. Wenn du keine Rohloff Nabe fährst, gibt es du auch die ganz normalen Lenkergriffe* von Ergon.

Klick Pedale

Als wir damals unsere Ausrüstungsgegenstände vor der Fahrradweltreise durchegangen sind, hat uns ein Bekannter verwundert gefragt, warum wir nicht mit Klickern fahren? Ja, warum eigentlich nicht? Wir hatten beide keine Erfahrungen mit Klick Pedale und waren auch nicht sicher, ob es für uns das Richtige ist.

Mittlerweile wollen wir garnicht mehr ohne fahren. Natürlich ist es kein “Muss” bei einer Fahrradreise. Wir haben aber für uns festgestellt, dass wir gerade weil wir durch unser Gepäck nun mit mehr Gewicht fahren, jetzt effizienter und einfacher in die Pedale treten. Vor allem bergauf sind wir über unsere Helfer sehr glücklich!

Wir sind hierbei auf zwei Komponenten angewiesen: Einmal die Klick Pedale und dann die Schuhe, mit denen wir einrasten können. Unsere Pedale* ist auf der einen Seite mit einer Vorrichtung zum Einklicken versehen, auf der anderen können wir mit normalen Schuhen radeln. Dazu haben wir beide jeweils Schuhe von Shimano, einmal als todschicke Sandale* und einmal als knöchelhohes Modell*. Natürlich kann man auch die Fahrradschuhe mit Klicksystem optimal ergonomisch anpassen. Eigens hierfür gibt es Schablonen, wie z.B. das aus dem Ergon Bike Fitting Set*. So hat Dani nach kurzer Zeit herausgefunden, dass seine Knieschmerzen daher rührten, dass die Platten an seinen Schuhen an der falschen Stelle justiert waren.

Es gibt sehr viele kleine Einstellungen, die bewirken, dass die Fahrweise und Körperhaltung erheblich verbessert werden kann. Wir haben uns mal die 3 wesentlichen Punkte herausgepickt, die wir besonders wichtig finden. Übrigens kann man mit dem praktischen Set* von Ergon selbst ein Bike Fitting durchführen. Die Anleitungen sind gut gemacht und dazu gibt es Schablonen und andere nützliche Hilfsmittel. Kennst du schon unser Bike Fitting Video mit unseren Erfahrungen und Tipps? Es ist Teil einer 3-teiligen Serie über die Wartung und Reparatur unserer Reiseräder nach den ersten 6.000 geradelten Kilometern.

#2 Stromgewinnung unterwegs

Gerade wenn man für längere Zeit unterwegs ist und mit seinem Smartphone oder Navi die Route abgleicht, dauert es auch nicht lange und der Saft ist alle. Nicht immer hat man Zugriff auf die nächstbeste Steckdose. Nur gut, wenn man eine alternative Möglichkeit hat, um unterwegs an Strom zu gelangen. Am besten ist es natürlich, wenn man automatisch seinen eigenen Strom generiert, während dem man Fahrrad fährt.

Powerbank

Eine schnelle Möglichkeit, an Strom zu kommen, ist eine Powerbank zu verwenden. Wir haben eine recht praktische Powerbank*, die gleichzeitig als Handyhalter fungiert von Topeak. Sie kann direkt am Fahrrad befestigt werden, hat 2 USB-Anschlüsse und eine Kapazität von 7800 mAh. Allerdings hält auch so eine Powerbank nicht ewig und muss selbst irgendwann aufgeladen werden. Aus diesem Grund nutzen wir zusätzlich einen Nabendynamo und ein Solarpanel zur Stromgewinnung. Wenn du wissen willst, wie lange du bis zur nächsten Steckdose radeln kannst, sieh dir mal unseren Blogbeitrag “Strom auf dem Fahrrad” an.

Nabendynamo

Einen simplen Dynamo kennt jeder. Das ist das kleine meist schwarze Ding, was “brrrrrrt” macht und das direkt an den Reifen angepresst wird. Wenn es direkt dort anliegt, tritt man gefühlt schwerer in die Pedale, aber gleichzeitig dreht sich der Dynamo mit und erzeugt auf diese Weise dein Licht.

Wir sprechen hier allerdings über leistungsfähige Nabendynamos. Das sind genau wie die simplen Dynamos kleine “Generatoren”, die jedoch direkt in der Fahrradnabe verbaut sind, also im Zentrum des Rades sitzen. Diese sogenannten Nabendynamos erzeugen automatisch mit der Drehung deines Vorderrades Strom. Hier gibt es viele verschiedene Modelle, wie z.B. von Shimano*, Shutter Precision* oder ein SON von Schmidt Maschinenbau. Wir haben uns für den SON 28 entschieden, da der Wirkungsgrad besonders gut ist.

Ein Nabendynamo allein reicht aber noch nicht, um Smartphone, Kamera & Co langfristig zu laden. Hierfür benötigt man noch einen Pufferakku, der die Energie zwischenspeichert. Wenn man z.B. an der Ampel anhält und nicht mehr in die Pedale tritt oder langsamer fährt, ist dies sehr nützlich. Denn manche elektronische Geräte reagieren auf Schwankungen in der Ladespannung sensibel und schalten sich dann ab. Im schlimmsten Fall zerstört man auf Dauer die Akkus. Als Energiespeicher, der permanent Strom zwischenspeichert und abgibt, haben wir deshalb jeweils einen Forumslader dabei. Mit einem Kabel wird er mit dem Nabendynamo verbunden und speichert so die Energie, die wir durch das Treten in die Pedale gewinnen. Damit können wir die gewonnene Energie nicht nur für unser Licht verwenden, sondern auch unsere Smartphones, Stirnlampen, Batterien etc. laden. Mit der zugehörigen App können wir uns unsere gefahrenen Kilometer, Geschwindigkeiten etc. anzeigen lassen, wobei alle Daten auch in einem Protokoll gespeichert werden. Unser Beitrag “Strom auf Radreisen” zeigt dir, wie viel Energie wir allein durch den Forumslader zur Verfügung haben.

Alternative Pufferspeicher, die nach einem ähnlichen Prinzip funktionieren, sind z.B. das USB-Werk* von busch+müller, NC-17*, Kemo M172* oder The Plug von Tout Terrain.

Solarpanel

Von “Solarstrom” hat jeder schon mal gehört. Genauer genommen handelt es sich hier um ein tragbares Photovoltaik (PV) Modul. Es wandelt die Energie der Sonnenstrahlung in für uns nutzbaren Strom um. Eigentlich perfekt fürs Reisen, sofern das Wetter mitspielt. 😉 Wer also länger ohne eine Steckdose auskommen will, dem empfehlen wir ganz klar sich ein tragbares PV Modul zuzulegen. Damit kannst du länger autark sein und auch längere Zeit im Stand laden.

Wir nutzen aktuell das Solarpanel von Big Blue* sowohl während dem Radfahren zum Laden unserer technischen Geräte als auch bei längeren Pausen. Außerdem ergänzt es den Nabendynamo, wenn wir viel bergauf fahren und damit nicht genug Strom produzieren können.

Kennst du eigentlich schon unseren Blog-Beitrag “Strom auf Radreisen“? In diesem erläutern wir dir eine Möglichkeit, wie du deinen Energiebedarf ermittelst, wie du diesen Bedarf decken kannst und wie lange du ohne einen Netzanschluss auf dem Fahrrad unterwegs sein kannst.

#3 Denke an die Sicherheit

Kennst du den Spruch, “Wer bremst, verliert?”. Absoluter Blödsinn findet Melli – Dani nicht 😉 … Aber dass ein Helm “out” sei, können wir beide nicht vertreten! Die Sicherheit auf dem Fahrrad ist schon sehr wichtig. Vor allem, wenn man auf größeren Straßen oder im Ausland unterwegs ist, wo der Verkehr deutlich dichter ist, die Autos keine Abstandsregeln kennen oder die Straßenbeschaffenheit unüberschaubar und schlecht ist. Die Wahrscheinlichkeit einen Fahrradunfall zu haben ist aufgrund der täglichen, mehrstündigen Radlerei deutlich höher, als beim Einkaufen ums Eck.

Helm

Schütze dein Hirn. Dein wertvollster Schatz. In Deutschland besteht derzeit keine Helmpflicht und die Mehrheit der Radler ist ohne Kopfbedeckung unterwegs. Zugegebenermaßen, vielleicht brauchst du jetzt nicht einen Helm, wenn du kurz zum Bäcker radelst. Wir trugen damals auf dem Weg zur Arbeit von unserer Wohnung zum Bahnhof auch keinen… Nun ist die Situation jedoch eine andere. Tagtäglich sind wir auf der Straße und fahren regelmäßig mehrere Stunden. So können wir das Verletzungsrisiko minimieren.

Wir tragen beide die Modelle Roam MIPS* von MET. Durch MIPS sollen bestimmte Rotationskräfte abgefangen werden, wodurch Gehirnverletzungen reduziert werden. Der Helm ist recht leicht und durch die Blende auch super als Sonnenschutz geeignet. Definitiv der bequemste und leichteste Helm, den wir je hatten. Auch die Größenverstellung ist echt klasse! Sobald du eine Mütze trägst, kannst du ihn ganz einfach durch ein kleines Rädchen perfekt an deinen Kopfumfang anpassen.

optisch auffallen

Nicht selten müssen wir die kleinen gemütlichen Feldwege und einsamen Landstraßen verlassen, um den Weg auf der großen, stinkenden Hauptstraße fortzusetzen. Nach dem Fußgänger sind Radfahrer das schwächste Glied unter den Verkehrsteilnehmern. Leider mussten wir schon oft die Erfahrung machen, dass viele Auto- und (vor allem) LKW-Fahrer uns Fahrradfahrer nicht wirklich bemerken. Aus diesem Grund haben wir uns ein paar Sachen einfallen lassen, um besser wahrgenommen zu werden.

Zum einen haben wir lange Fahnenmäste, wo die bunten Flaggen der bereits bereisten Länder, fröhlich im Wind wehen. Perfekt für den Toten Winkel bei Bussen oder LKWS. Dann gibt es da unsere seitlich gerichtete Abstandshalter-Fahne. Auch wenn in Deutschland nun das Gesetz erlassen wurde, dass 1,50m Abstand zum Radfahrer eingehalten werden muss… Der Rest der Welt schert sich leider nicht darum. Unser Abstandshalter scheint zwar manche Fahrer zu verärgern, wir ärgern uns allerdings nicht mehr drüber, dass wir jeden Lufthauch hautnah spüren. Wenn das Wetter umschlägt und nebelig wird, tragen wir typische Warnwesten. Bei Regen tragen wir unsere Ponchos und für die Schuhe Gamaschen*, die praktischerweise die Signalfarbe Neongelb haben.



Sirene

Oft hilft es auch, besonders laut zu sein. Wer schon einmal in Indien unterwegs war, der weiß, wie es dort zugeht. Für Radfahrer oder Roller gibt es spezielle Hupen* und Sirenen. Unsere Sirenen* haben sich bisher sehr gut gemacht. Wenn wir beispielsweise bergab fahren und die Straße durch Kurven unübersichtlich wird, hupen wir vor jeder Kurve. So weiß der Gegenverkehr, dass da was kommt. Auch in größeren Städten kommen sie zum Einsatz, um auf uns aufmerksam zu machen.

Dabei bleibt auch ein kleiner Spaßfaktor 🙂 Unsere Sirenen können unterschiedliche Geräusche abspielen. Besonders gerne hupen wir hupenden Autofahrern zurück, was immer wieder auf freudige Gesichter und “Daumen hoch” stößt.

Rückspiegel

Wir sind sehr froh, dass wir Rückspiegel haben. So haben wir auch den Verkehr im Rücken voll im Blick und sind nicht überrascht, wenn ein Auto aus dem Nichts angerast kommt. Unsere Rückspiegel* sind einklappbar und können unterschiedlich ausgerichtet werden. Wenn wir in ein Land mit Linksverkehr fahren, können wir sie einfach auf die andere Seite montieren. Ergibt sich mal die Gelegenheit, dass wir mit jemanden Räder tauschen, der keinen Spiegel hat, können wir es trotzdem nicht lassen, auf den imaginären Spiegel zu schauen…

Kurven & Bremsen

Gerade wenn man das erste Mal mit etwas mehr Gepäck radelt, ist es sehr ungewohnt, bis man das Gleichgewicht wieder findet. Dementsprechend fährt sich so ein Rad natürlich auch ganz anders. Vor allem bergab sollte man im Hinterkopf behalten, dass es da nun zusätzliche Masse gibt, die nochmal kräftig schiebt. Auch die Kurven sollten nicht unterschätzt werden. Geröllsplitt oder frisch geteerter Asphalt können sehr gefährlich werden und man rutscht leicht weg.

Regen ist nochmal eine ganz andere Nummer. Kopfsteinplaster mögen wir seitdem nicht mehr. Auch solltest du das Bremsen auf Gleisen, Gullideckeln und nassen Blättern vermeiden. Melli spricht da aus Erfahrung 😉 Sie hat sich leider schon öfter unfreiwillig auf die Nase gelegt.

#4 Planung ohne Plan?

Von Deutschland nach Japan ist es ein langer Weg. Es gibt keinen richtigen oder falschen Weg dorthin. Wir haben zwar konkrete Orte, die wir ansteuern, allerdings ist der Großteil unserer Route nicht festgesetzt. Wir bekommen sehr oft Empfehlungen von Einheimischen, die die Gegend besonders gut kennen, wo es mit dem Rad am Schönsten zu fahren sei. Oder wir erhalten unterwegs Informationen, die wir vorher nicht besaßen. Trotzdem ist es nicht verkehrt, wenn man eine grobe Ahnung hat, was einen in den nächsten Tagen erwartet – sowohl was die Attraktionen in den unterschiedlichen Orten anbelangt, als auch was die Beschaffenheit der Straßen oder das Höhenprofil angeht. Dann können wir nämlich besser abschätzten, wie viel Kilometer wir wahrscheinlich fahren werden, wann wir wo sein könnten und wo sich unser nächster Schlafplatz befinden könnte.

Schlafplatzwahl

Mit einem Blick auf die Karte verschaffen wir uns eine Vorstellung davon, wo wir Wasserquellen zum Trinken finden und wo Flüsse zum Waschen fließen. Dabei am besten noch einmal das Höhenprofil checken. Denn auch wenn es aussieht, als hätte man wunderbar Zugang zum Meer, kann es doch sein, dass dich ein unzugänglicher Steilhang von dem erfrischenden Nass trennt. Mit Hilfe der Sattelitenansicht von google.de/maps sieht man auch meist, ob viele Bäume für die Hängematte vorhanden sind oder Platz für ein Zelt gegeben ist. Auch klasse sind die Höhenlinien von http://maps.openrouteservice.org

Routenplanung

Wo geht´s denn da nach Hinterdupfing? Hast du mal eben eine Landkarte parat? Zwar mittlerweile ziemlich oldschool, aber vermittelt doch irendwie noch mehr ein Gefühl von Reiselust und Abenteuer, oder? 😉 Für die Routenplanung stehen einem heute viele verschiedene Apps und Webseiten zur Verfügung. Tatsächlich haben wir auch erst unterwegs einige Tools entdeckt, die wir nun sehr gerne verwenden. Wer durch Europa radelt, der sollte einen Blick auf die verschiedenen EuroVelo´s werfen. Diese Strecken sind besonders für Radfahrer gut geeignet und wir empfanden sie als sehr angenehm, da dort weniger Verkehr herrschte. Auch der Alpe Adria Radweg hat uns super gefallen. Seit unserer Alpenüberquerung schauen wir auch sehr gerne Routenalternativen auf Open Route oder Waymarked Trails nach. Dort sind nicht nur Rad-, sondern auch Wander- und Reitwege verzeichnet.

Mit Hilfe von GPX-Tracks kannst du dir deine selbst zusammengestellten Routen auch auf dein Smartphone ziehen und offline ansehen. Übrigens navigieren wir selbst oft mit Dani´s Handy* oder unserem Navigationsgerät* von Garmin. Mit unseren GPX Daten (auf Anfrage) kannst du übrigens auch super navigieren. Alles bereits hochstpersönlich von uns geradelt und vorgetestet. 😉

Auch wenn wir ein bisschen planen, um den Überblick zu behalten, lassen wir uns gerne überraschen 🙂 Manchmal braucht es etwas Spontanität und Flexibilität, um ein unvergessliches Abenteuer zu erleben.

#5 Ausrüstung & Reparatur

Was ist wichtig, was muss mit? Hier sind wir wieder bei einem Thema, welches sich sehr individuell gestaltet. Der eine möchte so minimalistisch und leicht wie möglich radeln, der andere möchte auf bestimmte Dinge nicht verzichten und sie parat haben. Auch hier gibt es kein Richtig und kein Falsch, wie wir finden. Einige sind der Meinung, wir selbst wären viel zu überladen und schleppen unnötigen Ballast mit uns herum. Da wir mehrere Jahre unterwegs sind, durch unterschiedliche Klimazonen radeln, so gut wie alles selbst reparieren und Hotelübernachtungen meiden, sieht unsere Packliste dementsprechend auch ganz anders aus. Wir reisen eben nicht mit Kreditkarte, sondern low budget und sehr abenteuerlich. 🙂

Fahrrad

Dein Rad muss kein ultra teures Reiserad sein. Jedoch gibt es eine Sache, die wir besonders wichtig finden: der Stahlrahmen. Dies hat nicht nur damit zu tun, dass dieser Rahmen besonders stabil ist und ohne Probleme Lasten trägt. Wenn du einen Unfall haben solltest und der Rahmen geht dabei kaputt, wirst du mit hoher Wahrscheinlichkeit überall auf der Welt jemanden finden, der ihn dir notdürftig schweißen kann. Einen Alurahmen hingegen kann man nicht ohne Weiteres reparieren. Unsere beiden Räder haben wir nach unseren Bedürfnissen von der Fahrradmanufaktur Böttcher zusammenstellen lassen.

Packtaschen

Das klassische Packtaschen Set-Up für Reiseräder besteht aus 2 Frontradtaschen*, 2 Hinterradtaschen* und 1 Lenkertasche*. Für uns ist es wichtig, dass die Taschen wasserdicht sind. Auch hat jede einzelne Tasche eine bestimmte Funktion. Beispielsweise sind in einer die Kleidung, in der anderen Küchensachen und in der nächsten Werkzeuge verstaut. So wissen wir genau, was wir in welcher Tasche haben, ohne längere Zeit herumzukruschen. Zusätzlich haben wir noch eine besondere Tasche*, bei der zusätzlich weitere Seitentaschen ausgeklappt werden können. Dort verschwinden dann Lebensmitteleinkäufe etc.

Sehr oft werden wir auf Dani´s orangene Tonne angesprochen. Sie wirkt natürlich sehr mächtig, schwer und sperrig. Tatsächlich ermöglicht sie uns aber das Transportieren von Gemüse oder das kühl halten von Lebensmitteln, die weder gequetscht noch zu schnell warm werden dürfen. Die Tonne ist sozuagen unser Kühlschrank. In Melli´s 2 schwarzen Rollen verstecken sich lediglich unsere Daunenschlafsäcke*. Diese könnten wir natürlich auch deutlich kleiner verpacken, dann würde die Daune aber kein Jahr überleben, wenn sie so komprimiert wird. Klar – das alles mag für den äußeren Betrachter erstmal viel wirken – ist es aber auch irgendwie wieder nicht 😉

Werkzeug & Ersatzteile

Grundlegend würden wir dir ans Herz legen, dich ein wenig mit deinem Rad und dessen Pflege zu beschäftigen. Sprich, wie gehe ich mit einem Platten um, muss ich was ölen und wenn ja, wann. Nicht immer wird es eine Werkstatt geben, die dir alles abnehmen kann oder ihre Dienste preiswert in Rechnung stellt. Zum Glück schraubt Dani richtig gern an Rädern herum und kennt sich mit Reparatur und Wartung gut aus. So können wir eine Menge Geld sparen und überall unterwegs alles selbst erledigen.

Du solltest mindestens ein Flickset für Platten dabei haben. Reifenheber* vereinfachen es dir den Mantel von der Felge zu ziehen. Des Weiteren würden wir dir noch einen Engländer bzw. eine kleine Spitzzange sowie ein Inbus-Set empfehlen. Wir nutzen u.a. dieses Werkzeug-Set*. Achte darauf, ob es Teile an deinem Fahrrad gibt, wofür du einen Spezialschlüssel benötigst.

Dani ist in Kroatien eine Speiche flöten gegangen. Selbstverständlich hatten wir eine Ersatzpeiche* und einen Speichenschlüssel* dabei, sonst hätten wir nicht weiterfahren können. Des Weiteren befinden sich noch Ersatzschläuche* in unserem Gepäck.

Wenn du mehr über die Reparatur und Wartung von deinem Fahrrad wissen willst, dann sieh dir doch mal unsere 3 teilige Video Reihe dazu an. Dort geben wir auch den ein oder anderen Tipp, wie du dir ganz einfach selbst helfen kannst.

Fazit

Das waren unsere wichtigsten 5 Erfahrungen – Ergonomie, Strom, Sicherheit, Planung & Ausrüstung – die wir im Zusammenhang mit unserer Fahrradweltreise bisher gemacht haben.

Ergonomie

Ein guter Sattel, zusammen mit der perfekten Einstellungen an dich und deine Fahrweise sind Gold wert. Auch die ergonomische Einstellung des Lenkers und Radschuhe, falls du welche haben solltest, ist wichtig, um gesund und ohne Beschwerden radeln zu können.

Strom

Für längere Radreisen hat sich für uns die Kombination aus Nabendynamo, Pufferakku und Solarpanel bewährt. Damit  können wir unsere technischen Geräte jederzeit laden, unabhängig davon, ob ein Stromnetz oder öffentlicher Generator zur Verfügung steht.

Sicherheit

Schütze dich mit einem Helm und mache im Verkehr auf dich aufmerksam. Eine Abstandshalter-Fahne ist nur zu empfehlen. Grelle Kleidung im Nebel und Regen sind genauso nützlich, wie eine Sirene, wenn du am Berg Kurven fährst. Gib Acht bei Nässe und bremse vorsichtig.

Planung

Plane ungefähr die nächsten Tage voraus, in dem du dir das Höhenprofil und die Umgebung auf der Karte genauer ansiehst. So weißt du ungefähr, wo sich Trinkquellen und Wasser befindet oder wo du dein Zelt aufstellen kannst. Bleibe aber offen für spontane Abenteuer 😉

Ausrüstung

Wir finden einen Stahlrahmen sehr nützlich und haben auch Ersatzteile und Werkzeug mit dabei. Mache dich ein wenig vertraut mit deinem Rad, um zur Not selbst etwas reparieren zu können. Wasserdichte Packtaschen und kleine geheime Staufächer sind für uns ein Muss.

Wir haben noch einen unerschöpflichen Vorrat von weiteren Tipps & Tricks, der in einem anderen Beitrag Platz finden wird. Man muss dazu sagen, dass unsere Erfahrungswerte natürlich auch auf der Art unseres Reisens basieren. Trotzdem haben wir versucht, diesen Beitrag so breitgefächert wie möglich zu gestalten. Wer z.B. mehr Geld zur Verfügung hat, der muss nicht zusätzlich Packtaschen für Campingsachen spazieren fahren oder Ersatzteile mitnehmen. Viele haben auch vielleicht nicht das Wissen oder die Zeit sich um Themen, wie Reparatur und Wartung zu kümmern. Da wir so gut wie alles selbst managen wollen und auch können, liegen unsere Präferenzen also vielleicht wo anders, als bei anderen. Zugegeben gibt es auch einige Dinge, die wir uns als kleine Luxusgegenstände zugestehen, weil wir einfach nicht darauf verzichten wollen. 🙂

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when route becomes destination

2 Kommentare

  • thomas

    Fahre seit Jahren auch ein Fahrrad von Böttcher in der Farbe gelb mit Nabenschltung und Felgenbremse. Seit Ihr eigentlich auf Komoot vertreten? Wenn ja, mit welchem Namen!
    Wenn ich Rentner bin , beabsichtige ich wieder einige Touren durch Deutschland und angrenzende Länder zu machen. Aber nur mit dem alten Fahrrad, welches ich mir vor 12 Jahren zulegte.
    MfG
    Thomas

    • VAEGABOND

      Hi Thomas,
      Danke für deinen Kommentar 🙂 Cool, noch ein Böttcher Fahrer <3 Mit welcher Nabenschaltung fährst du, Nexus oder auch Rohloff? Nein, Komoot haben wir nicht. Haben gerhört, dass man sich Kartenteile zukaufen muss und nutzen daher die Tools, die wir in unseren Beitrag ultimative Reisetipps kurz beschrieben haben. Kannst du Komoot denn empfehlen? Bald wird es auch einen umfangreicheren Artikel von uns geben, der sich rund um die Routenplanung dreht.
      Liebe Grüße 🙂

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